Maschas Schwestern
Maschas Schwestern
Dichterinnen mit jüdischen Wurzeln
EDITION DORETTES
Hrsg: Sabine-S. Rahe
BoD 2025 2. Auflage
Ein ganzes Buch voller Gedichte von 37 Dichterinnen mit jüdischen Wurzeln aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts!
Viele dieser Frauen sollten zum Verstummen gebracht werden, doch hier leben ihre Gedichte weiter und wir können der Frauen gedenken.
Durch die Digitalisierung von Nachlässen und Gedichtbänden durch das Leo Baeck Institute New York und von Zeitschriften wie der Allgemeinen Zeitung des Judentums aus Berlin oder aus Der Morgen (Zweimonatsschrift der Juden in Deutschland) wurde diese Sammlung möglich.
Zeitzeugen gibt es immer weniger, und so sind weitere Bände zur Erinnerung in Planung.
Am Schluss des Buches stehen die Quellen und zudem Informationen zum Schicksal der Autorinnen.
Die Herausgeberin und poetische Schriftstellerin Sabine-S. Rahe veröffentlicht in Buchform mit ihrer EDITION DORETTES und auf ihrem Blog https://die-dorettes.de.
Die Gedichte lassen einen berührt zurück und danach holen sie einen wieder hinein in den Kontakt. Was die Frauen einst fühlten, dachten und dichteten, ist so lebensnah, so seelentief und existentiell, sei es in der menschlichen Liebe, am Meer oder in Theresienstadt, dass ihr Überdauern beinahe greifbar scheint.
Drei Beispiele zum Kosten:
Lichter zünden
Ich weiß noch, wie der Mutter blasse Hände
Sich Freitag um der Kerzen Schein bewegen
Und wie sich leise ihre Lippen regten …
… Ich wagte nicht zu sprechen bis zu Ende,
Und wenn der Mutter Hände niedersanken,
War mir’s, als komme sie aus fremden Welten,
Wo unsre Ahnen in Nomadenzelten
Aus heil‘gen Bräuchen Mut und Hoffnung tranken.
Was damals mir so fremd und seltsam deuchte
Und ohne Sinn, mein ganzes Sinnen bannte,
In dieser Zeit, die viel zu Staub verbrannte,
Ward es auf neuen Wegen mir zur Leuchte.
Wie Rosenblätter nach der Sommerzeit
Im alten Glas zu fahlem Duft gelangen,
So ist in meiner Seele eingefangen
Jetzt der Erinn‘rung welke Süßigkeit.
Fanny Kahane (Fanny Carlsen, Frank Carlson, Fan Carlson)
Tanze mit mir!
Komm, tanze mit mir! In den Flackerschein
meiner wilden Wünsche hüll ich Dich ein.
Die Geigen locken so süß, so leis,
ich bin so jung und ich bin so heiß
und ich schenke Dir in der einen Nacht,
was Deine Sehnsucht nie sterben macht.
Tanze mit mir!
Und lache mit mir und gib mir Wein!
In mein goldnes Märchenhaar spinn ich Dich ein.
Ich bin so bleich – nun küsse mich rot,
küss meine wühlende Sehnsucht tot,
die in mir aufschluchzt mit zitterndem Laut. –
Der, den ich liebe, – der küsst seine Braut.
Eddy Beuth
Gebet
Aus dem Spiegel sehen Augen mich an
Große traurige dunkle Menschenaugen.
Sind’s denn die meinen?
Und im gespiegelten Spiegel mein Herz, mein Leben?
Schönheit, berühre die Stirn mir du,
Dass sie wieder glänze!
Dein Licht bleibt die Macht.
Gedanken, stellt euch als Bäume um mein Bett!
Mein Vater hat euch gepflanzt!
Ihr seid hoch gewachsen und wachst noch höher.
Aus euren Wipfeln singen Vögel mir Weisheit ins Ohr
Gegen den Lügenschwatz Welt.
Und vergiss du mich nicht Erzengel Liebe!
Blass geworden nicht minder schön.
Hauche mich an, dass die Würze bleibt!
Decke mit deinem Fittich meinen Leib, damit
Er versinke in den Tod, dem Auferstehung folgt.
Lotte Brunner



