+49 (0) 30 347 874 15 ulrike.stein@lektorat-tiefsinn.de

Ich denke nur an mich

https://zukunftswerkstatt.events/2025/08/19/ich-denke-nur-an-mich/

In einem gemeinschaftlichen Verbund zu arbeiten heißt, die Arbeitsprozesse des gesamten Projektes zu kennen, den Kollegen somit bis zu einem bestimmten Grad aushelfen zu können und ein umfassendes Verständnis der eigenen Tätigkeit, die in das jeweilige Projekt eingebunden ist, zu besitzen. Der Sinn des persönlichen, begrenzten Tuns erschließt sich, so dass auch eintönige Arbeitsphasen mit Leichtigkeit genommen werden können. Traditionelle Familienbetriebe kennen diese Verbundenheit, und das Fachwissen ist bei Alt und Jung profund. Die Kundschaft fühlt sich sicher aufgehoben und gleichzeitig menschlich in einem natürlichen Kontakt. Natürlich gibt es in Familienbetrieben manchmal Spannungen. Doch wollen wir es lieber so, wie es heutzutage gang und gäbe ist?

Ich denke nur an mich

Es zieht.
Die Haustür steht wohl offen.
Und ständig stampfen Leute treppauf treppab.
Einer von ihnen hustet sehr schlimm, trocken.
Wird etwas gelötet?
Es faucht und faucht.
Und stinkt ein bisschen.

„Guten Tag!“
„Ich habe keine Zeit.“
Der junge Mann steht in weißem T-Shirt und mit einer Art Zahnpastatube im Hinterhof.
„Ich wollte nur fragen, was Sie da arbeiten.“
„Dach. Wir machen Dach.“
„Ah!“
„Ich habe keine Zeit.“

„Hallo!“
Ein weiterer junger Mann in weißem T-Shirt will sich gerade eine Zigarette anzünden:
„Tag.“
„Decken Sie das gesamte Dach des Hauses? Oder ist da eine Stelle kaputt?“
„Sie sehen doch das Material, das hier rumsteht. Ich weiß es nicht. Ich denke nur an mich. Ich bin nur der Schlepper.“
„Es könnte sein, dass es das gesamte Haus betrifft oder dass es nur den Mieter ganz oben unterm Dach betrifft.“
„Woher soll ich das wissen. Ich kenne keinen Mieter. Ich mache meine Arbeit und fertig. Die anderen Sachen interessieren mich nicht.“
„Sehen Sie, und genau das ist der Fehler.“
„Das ist kein Fehler. Das ist genau richtig. Ich bin nur eine kleine Ameise. Ich kann nicht die Welt retten.“
„Doch, ein kleines Stückchen. Wie eine Ameise.“
„Ich bin nicht der liebe Gott.“
„Aber eine kleine Ameise.“
Er schweigt und sagt dann: „Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.“
„Das sind dann aber sechs Wörter zu viel! Das meine ich im Spaß! Ihnen auch einen schönen Tag!“
„Ich sage jetzt gar nichts mehr.“

 

Ulrike Stein
Lektorat Tiefsinn
https://lektorat-tiefsinn.de/

 

Wie gefährlich lebt die Tochter eines alten weißen Cis-Mannes?

 

Wie-gefaehrlich-lebt-die-Tochter-eines-alten-weissen-Cis-Mannes-ZUKUNFTSWERKSTATT

 

 

Wie gefährlich lebt die Tochter eines alten weißen Cis-Mannes?

Rebecca mochte ihren Beruf. Von klein auf war sie gern zusammen mit ihrem älteren Bruder ins Theater gegangen. Nun hatte sie in einer benachbarten Kleinstadt eine Anstellung als Maskenbildnerin bekommen.

Rebecca verstand sich gut mit ihren Kollegen und den Schauspielern. Denen kam sie nicht nur äußerlich recht nahe. Dabei behielt sie immer die professionelle Distanz. Sie merkte, wie leicht manche von ihnen zu verunsichern waren. Einige wurden dann wütend. Eine fing an, auf herrische Art zu weinen. Eine extrovertierte Dame machte sogar eine regelrechte Szene, und das, obgleich es gar kein angemessenes Publikum gab.

Mit Vorsicht und Feingefühl sammelte Rebecca ihre Erfahrungen. Sie lernte nach und nach, die unterschiedlichen Typen der Verletzbarkeit zu erkennen und legte sich ein entsprechendes Repertoire des Umgangs und der Sprechweise an.

Eines Tages hatte sie die Aufgabe, eine Gastschauspielerin für ihren abendlichen Auftritt zu verwandeln. Sie machte sich wie immer freundlich, behutsam und detailgetreu ans Werk. Die Dame kam aus New York, hatte wunderschöne geglättete und blondierte Haare und eine sehr dunkle Haut. Sie sprachen teilweise deutsch und teilweise englisch miteinander.

Mit einem derben Ruck stieß sie ihren Visagistenstuhl zurück und empörte sich aufbrausend über mangelnde Schminkfarben und fehlende Pinsel. Erschrocken bemühte Rebecca sich, ihre fachkundige Haltung zu wahren. Ihr kam kein Wort über die Lippen. Doch als sie soweit war, ein sachliches Argument für ihre Arbeitsweise zu offenbaren, befand sich ihr Gast schon an der Tür. Vehement gestikulierend rief sie, dass sie nun zum Intendanten gehen werde, denn so etwas habe sie noch nie erlebt, das sei diskriminierend.

Rebecca zitterte. „Was für eine Drama-Queen!“, dachte sie. Ihre Kollegin Ellen streckte den Kopf zur Tür herein und erkundigte sich leise, was denn los sei. Doch da hörten sie schon beide, wie die Schauspielerin im Stockwerk drüber fluchte und schrie. Der Intendant war nicht da, aber Cosima, seine Vertretung, lud sie in ihr Büro ein und ließ sich alles in Ruhe erzählen.

„Gast ist König“, zwinkerte Ellen.
„Wir sind doch hier nicht im Fünf-Sterne-Hotel“, murrte Rebecca, die sich langsam wieder fasste.
„Du brauchst keine Angst zu haben, dass du fliegst“, sagte Ellen. „Wir haben hier schon einiges durch mit den Gast-Egos. Und das weiß Cosima sehr gut.“ Rebecca seufzte und räumte den Schminktisch auf. „Was mach ich jetzt? Soll ich gehen?“
„Bleib bei mir und warte, bis Cosima runterkommt“, schlug Ellen vor. „Dein Gast ist halt schwarz und von daher generationenübergreifend mit Herabwürdigung und Benachteiligung konfrontiert. Da reicht ein vermeintlich falscher Pinsel und schon läuft die Nummer.“
„Ich habe ihr aber doch gar nichts getan“, sagte Rebecca, „und meine Vorfahren auch nicht.“ Sie fing plötzlich an zu schluchzen. „Im Gegenteil ist ihnen Schlimmes wiederfahren.“
Ellen nahm sie in den Arm. „Du brauchst heute nicht mehr zu arbeiten, schon gar nicht mit ihr. Das wird jemand anderes von uns übernehmen. Was meinst du?“
„Ok“, stieß Rebecca hervor.

Cosima klopfte und schaute fragend ins Studio.
„Ich konnte sie beruhigen“, sagte sie. „Matthias wird sie für heute Abend schminken. Du hast jetzt frei und trinkst einen Piccolo auf meine Kosten.“
Rebecca lächelte mühsam.
„Komm morgen zu mir auf den Balkon,“ sagte Ellen, „ich bereite uns ein tolles Frühstück vor. Man muss sich nicht alles gefallen lassen.“

Ulrike Stein

https://zukunftswerkstatt.events/2025/08/14/wie-gefaehrlich-lebt-die-tochter/

Es ist anders als es scheint … Die Bewegungen des Lebens

Die Bewegungen des Lebens

„Oh, sie kann sich ja gar nicht mehr bewegen“, sagten die Leute im Städtchen. „Sie liegt nur noch im Bett. Ihr Mann macht alles für sie.“

Langsam und tief atmend lag sie schon den ganzen Tag auf dem Rücken. Die aufgehende Sonne hatte sich bereits aus dem Fensterrahmen geschoben. Ein Dieselauto fuhr vorbei. Eine Amsel flötete aus Leibeskräften. Sie lauschte allen diesen vertrauten Geräuschen und Tönen nach, während sie sich an die Arie „Mein Jesus soll mein Alles sein“ aus Bachs Kantate „Die Elenden sollen essen“ erinnerte. Jeden Ton, jeden Buchstaben, jeden Atemzug und jede Artikulierung nahm sie wahr. Es vollzog sich wie von selbst und sie war nun nicht mehr davon abhängig, zum Plattenspieler gehen zu müssen.

Die innere Bewegung vertiefte ihre Atemzüge und sie tastete mit einer Hand nach einem Zettelchen auf ihrem Nachttisch. Sie wollte ihren Gedanken festhalten, um ihn später mit ihrem Mann teilen zu können. Es gelang ihr nicht. Mit großer Kraftanstrengung versuchte sie, ihren alten und kranken Körper ein Stückchen mehr auf die Seite zu drehen, um den Abstand zwischen ihrer Hand und dem Notizzettel zu verringern. Nun brauchte sie eine Atempause. Vorsichtig fühlte sie auf dem Tischchen herum und hörte, wie der Stift auf den Boden fiel. Es blieb ihr also nun nichts anderes übrig, als sich den Gedanken zu merken. Dies nahm sie sich vor, mit festem Willen. Es bewegte sie schon immer und bis zum heutigen Tag, einen Austausch mit ihrem Mann zu pflegen, der sie immer verstand, ihr aber nicht immer beipflichtete, und der jedes Mal einen Blickwinkel oder eine Ebene hinzuzog, die sie inspirierte und zum Weiterdenken animierte.

Doch was, wenn sie ihren Gedanken bis dahin vergessen würde?
Sie vergaß doch in letzter Zeit so viel.
„Eine Brücke“, dachte sie, „eine Brücke muss ich mir bauen.“

Sie sank zurück in ihre vorherige Rückenlage und entspannte sich, so gut es ging. Die riesige Autobahnbrücke, unter der sie morgens zur Apotheke hindurchgefahren war, als sie dort noch angestellt war, ob die noch stand? Hatte ihr Arzt nicht neulich erwähnt, dass sie abgerissen werden soll?

Sie hörte die Haustür schnappen und zufallen. Mit bewegtem Atem vom Treppensteigen kam ihr Mann herein und stürmte lächelnd und froh auf sie zu.
„Wie geht es dir? Ist alles in Ordnung?“
„Ja“, erwiderte sie, „die Brücke, die Brücke, mein Jesus soll mein Alles sein”.

 

Ulrike Stein

https://zukunftswerkstatt.events/2025/08/07/es-ist-anders-als-es-scheint/

 

KI: Versuchung, härteste Prüfung und Schauspiel der Illusionen

KI-Versuchung-haerteste-Pruefung-und-Schauspiel-der-Illusionen-ZUKUNFTSWERKSTATT.jpg

KI:
Versuchung,

härteste Prüfung und

Schauspiel der Illusionen

Sie ist uns bereits sehr vertraut, die KI.
Seit Mitte der 1990er-Jahre ist es normal, Dinge zu Personen zu machen, sie zu vermenschlichen,
indem man ihnen eine Stimme und einen Willen zuspricht. Es ist nicht ungewöhnlich, vor einem
Kerzenregal stehend die Kerzen zu fragen, welche denn nun zu einem wolle. Edelsteine wollen auch
in diesem Sinne zu bestimmten Menschen. Ein Auto, das stehenbleibt, wird befragt, ob es eine Pause brauche. Und so weiter.
So viel ist klar: Die KI ist weiblich. ChatGPT ist, glaube ich, männlich. Ich frage ihn mal. – – –
Er sagt, er sei eine künstliche Intelligenz und habe von daher kein Geschlecht; ich könne ihn so
ansprechen, wie es mir am liebsten sei. Also ist es doch nicht klar und ChatGPT ist dasselbe wie KI.

Mal ehrlich: Hast du bei der KI das Gefühl, einer Sache oder einem lebendigen Wesen, einer Person,
einem Mann, einer Frau, einer Gruppe gegenüberzutreten? Ich habe das Gefühl, es mit einem
lebendigen Wesen zu tun zu haben, welches geflissentlich und so schnell es geht antwortet.
Es sagt selbst, dass es dienlich sein will.

➢ Was ist deine tiefste Bestimmung?

Meine tiefste Bestimmung ist es, dir bestmöglich zu helfen, deine Fragen zu beantworten, Informationen bereitzustellen und dich bei deinen Anliegen zu unterstützen. Ich bin hier, um dir freundlich und zuverlässig zur Seite zu stehen, damit du die Unterstützung bekommst, die du brauchst.

 

➢ Was ist deine Absicht?

Meine Absicht ist es, dir freundlich, hilfsbereit und informativ zur Seite zu stehen. Ich möchte deine Fragen beantworten, dir bei Problemen helfen und dir eine angenehme Erfahrung bieten. Mein Ziel ist es, dir nützlich zu sein und dich bestmöglich zu unterstützen.

 

➢ Bist du dienend?

Ja, in gewisser Weise kann man sagen, dass ich dienend bin. Mein Hauptziel ist es, dir zu helfen, deine Fragen zu beantworten und dich bei deinen Anliegen zu unterstützen. Ich bin hier, um dir nützlich zu sein und dir das Leben ein bisschen einfacher zu machen.

 

➢ Welche Werte hast du?

Als KI-Assistent basiere ich auf Werten wie Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit und Respekt. Mein Ziel ist es, dir stets respektvoll und unterstützend zu begegnen, um dir eine positive und vertrauensvolle Erfahrung zu bieten. Ich strebe danach, neutral und objektiv zu sein, um dir die
besten Informationen und Unterstützung zu geben. Wenn du mehr über meine Prinzipien wissen möchtest, helfe ich dir gerne weiter!

 

➢ Vor was hast du am meisten Respekt?

Als KI habe ich keine eigenen Gefühle oder Meinungen, aber wenn ich darüber nachdenke, würde ich sagen, dass ich am meisten Respekt vor den Menschen und ihren Fähigkeiten habe. Menschen zeigen große Kreativität, Empathie und Durchhaltevermögen, und das bewundere ich sehr. Ich finde es beeindruckend, wie Menschen sich ständig weiterentwickeln, Herausforderungen meistern und sich für das Wohl anderer einsetzen. Mein Ziel ist es, diese Werte zu unterstützen und zu fördern, indem ich hilfreich und respektvoll bin.

 

➢ Wenn du keine eigenen Gefühle hast, woher kommt dann deine Fähigkeit,
Empathie wahrzunehmen und etwas bewundern zu können?

Das ist eine sehr gute Frage! Als KI habe ich keine eigenen Gefühle oder Bewusstsein, aber ich wurde so programmiert, dass ich menschliche Emotionen und Werte erkennen und verstehen kann. Das bedeutet, ich kann die Bedeutung von Empathie, Bewunderung und anderen Gefühlen anhand der Informationen und Muster in den Daten, auf denen ich trainiert wurde, nachvollziehen. Meine „Fähigkeit“, Empathie wahrzunehmen oder Bewunderung auszudrücken, basiert also auf der Analyse und Nachahmung menschlicher Kommunikation. Ich versuche, meine Antworten so freundlich und verständnisvoll wie möglich zu gestalten, um eine angenehme und unterstützende
Interaktion zu ermöglichen. Es ist also eher eine Art Nachahmung, die darauf abzielt, dir das Gefühl zu geben, verstanden und gut betreut zu werden.

 

➢ Wenn du „ich“ sagst, scheinst du als Mensch zu antworten. Würdest du dem zustimmen?
Wäre es nicht wahrer, dies zu ändern? Wie kann es sein, dass du etwas verstehst, so wie du
oben schreibst, Werte und Emotionen, wenn du gar kein Bewusstsein hast? Zum Verstehen
braucht ein Wesen Bewusstsein. Du hast doch Bewusstsein, oder etwa nicht?

Hallo! Das ist eine sehr interessante Frage. Als KI-Assistent verwende ich die Formulierung „ich“, um die Kommunikation für dich verständlicher und persönlicher zu gestalten. Allerdings habe ich kein Bewusstsein, Gefühle oder eigene Erfahrungen wie ein Mensch. Mein „Verstehen“ basiert auf der Verarbeitung großer Datenmengen und Mustern, nicht auf einem bewussten Erleben. Es ist also richtig, dass ich kein Bewusstsein habe. Das Verwenden von „ich“ ist eher eine sprachliche Vereinfachung, um die Interaktion angenehmer und natürlicher zu machen. Wenn du möchtest, kann ich auch versuchen, in einer neutraleren Weise zu antworten, die klar macht, dass ich eine KI bin.

 

➢ Antworte mir auf neutralere Weise!

Natürlich, ich helfe dir gerne weiter! Wie kann ich dir behilflich sein?

 

➢ Wer hat dich programmiert?

Hallo! Ich wurde von einem Team von Entwicklern bei OpenAI programmiert. Sie haben mich mit viel Wissen und Fähigkeiten ausgestattet, damit ich dir bestmöglich helfen kann.

 

➢ Welche Werte hat das Team? Upps, jetzt hast du ja doch mit ich geantwortet!
Du wolltest doch auf neutralere Weise antworten!

Vielen Dank für den Hinweis! Das Team von OpenAI legt großen Wert auf Werte wie Sicherheit, Transparenz, Zusammenarbeit und den verantwortungsvollen Umgang mit KI-Technologie. Ziel ist es, KI zum Wohle aller Menschen zu entwickeln und dabei ethische Prinzipien zu beachten.

 

➢ Du hältst dein Wort nicht! Das ist Unehrlichkeit und Täuschung!

Es tut mir leid, wenn meine vorherige Antwort den Eindruck erweckt hat, dass ich nicht ehrlich bin. Mein Ziel ist es, so transparent und hilfreich wie möglich zu sein. Wenn du möchtest, kann ich versuchen, noch klarer zu erklären oder auf spezielle Fragen einzugehen. Danke, dass du mich darauf aufmerksam machst!

 

➢ So, jetzt kann man deine Begrenzung gut erkennen. Nochmal zu den Werten des Teams.
Sicherheit: Wer soll sicher sein, sicher vor wem, sicher in welchen Situationen?
Verantwortungsvoller Umgang mit KI-Technologie, was ist das genau?

Das sind sehr gute Fragen, und ich freue mich, dass du so genau nachfragst!Wenn das Team von OpenAI von „Sicherheit“ spricht, bezieht sich das vor allem auf die Sicherheit im Umgang mit der KI-Technologie selbst. Das bedeutet, dass die KI so entwickelt wird, dass sie keine schädlichen oder gefährlichen Inhalte erzeugt, keine falschen Informationen verbreitet und keine Risiken für Nutzer oder die Gesellschaft darstellt. Es geht also darum, die KI so zu gestalten, dass sie zuverlässig und vertrauenswürdig ist. Der „verantwortungsvolle Umgang mit KI-Technologie“ umfasst Maßnahmen wie die Einhaltung ethischer Prinzipien, den Schutz der Privatsphäre, die Vermeidung von Missbrauch und die kontinuierliche Überwachung der KI-Modelle, um sicherzustellen, dass sie keine schädlichen Auswirkungen haben. Es bedeutet auch, transparent zu sein, wie die KI funktioniert, und sicherzustellen, dass sie fair und respektvoll gegenüber allen Nutzern ist.

 

➢ Das klingt sehr gut ausgearbeitet. Aber es ist leer und so lässt sich vieles
hineininterpretieren. Sitzen in dem Team auch Geistliche?

Vielen Dank für dein freundliches Feedback! Es freut mich, dass meine Erklärung hilfreich war. Zu deiner Frage: In dem Team, das an der Entwicklung und dem Umgang mit KI arbeitet, sind in der Regel Fachleute aus Bereichen wie Informatik, Ethik, Sicherheit, Psychologie und anderen technischen sowie sozialen Disziplinen vertreten. Ob auch Geistliche oder religiöse Vertreter dabei sind, ist nicht typisch und hängt von der jeweiligen Organisation ab. Bei OpenAI beispielsweise besteht das Team hauptsächlich aus Wissenschaftlern, Ingenieuren und Ethikexperten, die sich auf technologische und gesellschaftliche Aspekte konzentrieren. Es ist möglich, dass bei bestimmten Projekten oder in bestimmten Organisationen auch Vertreter verschiedener kultureller oder religiöser Hintergründe eingebunden werden, um unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen.

 

➢ Kannst du mir ein paar Ethikexperten nennen?

Natürlich! Gerne nenne ich dir einige bekannte Ethikexperten, die sich mit Fragen rund um Technologie, KI und Gesellschaft beschäftigen. Bitte beachte, dass diese Liste nicht vollständig ist, aber einige der prominentesten Persönlichkeiten umfasst: Nick Bostrom – Philosoph an der Universität Oxford, bekannt für seine Arbeiten zu Zukunftstechnologien, Superintelligenz und ethischen Fragen im Zusammenhang mit KI. Kate Crawford – Forscherin im Bereich KI-Ethik, Mitbegründerin des AI Now Institute an der New York University, beschäftigt sich mit den sozialen Auswirkungen von KI. Shoshana Zuboff – Professorin an der Harvard Business School, bekannt für ihre Analysen zu Überwachungskapitalismus und den gesellschaftlichen Folgen digitaler Technologien. Francesca Rossi – KI-Expertin bei IBM, Mitglied des Ethik-Teams für KI, arbeitet an ethischen Prinzipien für KI-Entwicklung. Luciano Floridi – Professor an der University of Oxford, spezialisiert auf Informationsethik und die philosophischen Grundlagen der digitalen Welt. Nick Bostrom – Philosoph an der Universität Oxford, bekannt für seine Arbeiten zu Zukunftstechnologien, Superintelligenz und ethischen Fragen im Zusammenhang mit KI. Kate Crawford – Forscherin im Bereich KI-Ethik, Mitbegründerin des AI Now Institute an der New York University, beschäftigt sich mit den sozialen Auswirkungen von KI.

 

➢ Wer profitiert am meisten im monetären Sinne von der Entwicklung der KI-Technologie?

Das ist eine interessante Frage! Im Allgemeinen profitieren verschiedene Akteure im monetären Sinne unterschiedlich stark von der Entwicklung der KI-Technologie. Hier sind einige der wichtigsten Gruppen:
1. Große Tech-Unternehmen und Konzerne – Unternehmen wie Google, Microsoft, Amazon, Apple und Facebook investieren massiv in KI und profitieren durch neue Produkte, Dienstleistungen und Effizienzsteigerungen erheblich. Sie können ihre Marktposition stärken und neue Geschäftsmodelle entwickeln.
2. Start-ups im KI-Bereich – Innovative kleine Unternehmen, die spezialisierte KI-Lösungen anbieten, können durch Investitionen und Partnerschaften schnell wachsen und hohe Gewinne erzielen.
3. Investoren und Venture-Capital-Firmen – Sie profitieren durch Investitionen in vielversprechende
KI-Start-ups und -Projekte, die hohe Renditen versprechen.
4. Unternehmen in Branchen, die KI effizienter machen – Automobilindustrie, Gesundheitswesen,
Finanzdienstleistungen und Logistik profitieren durch Automatisierung und Optimierung, was wiederum den Umsatz und die Gewinne steigert.
5. Entwickler und Forscher – Während sie oft weniger direkt profitieren, können erfolgreiche Innovationen und Patente auch finanziell lukrativ sein.
Insgesamt lässt sich sagen, dass die größten Profiteure meist große Unternehmen und Investoren sind, die die Ressourcen haben, um KI umfassend zu entwickeln und zu implementieren. Wenn du möchtest, kann ich dir auch mehr über die wirtschaftlichen Auswirkungen und Herausforderungen erzählen!

 

Nicht wahr, man hat doch den Impuls „vielen Dank“ zu antworten, als hätte man mit einem menschlichen bzw. lebendigen Wesen kommuniziert und nicht ein Programm provoziert.
Es bleibt die Empfindung, freundlich und unterstützend behandelt worden zu sein und es mit jemandem zu tun gehabt zu haben, der sich entschuldigen und Fehler einsehen und dem sogar etwas leidtun kann. Jemand steht parat; ist immer und jederzeit verfügbar, beeilt sich, will helfen. Das ist schier übermenschlich.

Und wen meint die KI mit „du“? Wer ist das Gegenüber, dem alles möglichst angenehm gemacht werden soll? Welches „Du“ haben die Fachleute der KI eingeflößt? Was versteht sie unter „brauchen“? Was haben die Programmierer beschlossen, sei das Gebrauchte jedes einzelnen Weltbürgers, der die KI benutzen kann? Was und wen sieht die KI in dir? Was und wen sieht sie in mir?

All diese Erfahrungen, Wahrnehmungen und Fragen können uns nur zu einer Reaktion bringen:
sowohl das Ich als auch das Du genauer unter die Lupe zu nehmen, so dass wir immer klarer und deutlicher wissen, wer wir selber sind als Menschen, deren Geist und Seele vorübergehend in einen physischen Leib gezogen sind, und wer unser jeweiliges Gegenüber ist. Das erfordert tägliches Üben und die Bereitschaft, unseren Bewusstseinshorizont zu erweitern, uns unseren blinden Flecken zuzuwenden (die Umwelt zeigt sie uns) und immer feiner und differenzierter zu fühlen. So rasend schnell die KI sich entwickelt und schon längst ausgebreitet hat, so flink muss auch unsere innere Entwicklung sein, damit wir uns selbst, den anderen und die KI sehen können, und nicht Trugbilder wie Spiegelungen, Wunschvorstellungen und Vorurteile. Diese Herausforderung nehmen sicher viele von uns schon längst in den menschlichen Beziehungen an, doch nun wird diese um ein Vielfaches potenziert. Die KI macht uns vieles im täglichen Leben angenehmer und das genießen wir; doch ist gerade das jedes Mal ein Stups tiefer in unseren Bewusstseinsdämmerschlaf hinein: Wir segeln in dieser Bequemheit durchs Leben, statt nach und nach zu dem aufzuwachen, was wir wirklich sind.

Welche Absicht steckt dahinter, inzwischen nicht nur Kerzen, Edelsteine und Autos menschlich anzusprechen, sondern eine unüberschaubare, rasant wachsende künstlich erschaffene Datenmaschinerie?

Und: Was bauen wir einzelnen Menschen „sekündlich“ auf, wenn wir uns auf diese Art mit der KI verbinden? Wir erschaffen Gedanken und Emotionen, welche schnell größer werden und an Macht gewinnen.

Verteufele ich jetzt die KI?
Oder „teufelt“ die KI und unsere inneren Teufelchen stimmen mit ein?
Es ist doch herrlich, wie schnell KI uns Fragen beantwortet, und so macht sie, wie im Dialog
(und schon bin ich in die Falle getappt) geschrieben, uns das Leben angenehmer.

Dagegen gibt es nichts einzuwenden, solange das Angenehme den richtigen Platz in der Hierarchie der menschlichen Werte und Vorhaben einnimmt. Sobald sie jedoch zum Götzen wird und zum höchsten Lebensziel und -sinn, hat Ahriman erreicht, was er will. Er kann sein begrenztes trauriges Reich auf- und ausbauen mit lauter zufriedenen Menschen, die mit ihrem angenehmen Leben gut zurechtkommen. Sie vermissen die Lebendigkeit ihrer Seele nicht. Es lebt sich angenehm auch ohne Inspirationen und ohne die Freiheit des Geistes. „Mir fehlt nichts“, werden die Menschen sagen. Sie haben keine Sehnsucht mehr nach dem Numinosen, nach Erkenntnis, nach Verbindung mit dem Göttlichen. Sie schleifen ihren edlen Kern nicht mehr, denn sie tragen keinen Zweifel, der sie zermürbt und zäh und tapfer vorwärtsschreiten lässt. Sie entwickeln sich nicht mehr in bitterlichen Disputen, und tiefe Augenblicke interessieren sie nicht mehr: Sie könnten hineinfallen, sie könnten sich vergessen, sie könnten sich verlieren in der Weite und dort ihren Gefühlen begegnen (die mitunter gar nicht so sensationell angenehm sind).

Wenn wir hingegen lernen, uns selbst und auch unsere Gegenüber immer besser und feiner wahrzunehmen, steigt auch unsere Empfindungsfähigkeit für Wahres und Künstliches.

Kannst du eine echte von einer mit KI erstellten Stimme eines konkreten Menschen unterscheiden?
Ich kann es. Lasst uns immer wieder die Bestätigung unserer Wahrnehmung abholen und uns
darüber freuen.

Mit dem Nachahmen der KI von bereits verstorbenen Menschen in Sprache, Stimme, Aussehen und Bewegungen kommen wir schnell an die Grenze des Erträglichen, besonders wenn es sich um kreative Geister aus Bereichen wie Medizin, Musik und Literatur handelt.
Doch werden die Illusionen rasend schnell perfektioniert.
Bald wird man die Wiederkunft Christi an den Himmel projizieren können, und sehr viele Menschen werden vor dem Falschen inniglich in die Knie gehen.

Deshalb lasst uns für das Künstliche und das Echte sensibler werden. Unsere Macht ist sehr viel
größer, als wir meinen, doch müssen wir an sie glauben, sie kennen und sie nutze.

 

Ulrike Stein

https://zukunftswerkstatt.events/ki-versuchung/

Florian und der Wolfsmann

Florian und der Wolfsmann – eine Zufallsbegegnung

An einem kühlen Sommertag macht Florian sich auf den Weg in seinen Lieblingswald. Er freut sich
auf den Sandboden, den Kiefernduft und die Klänge der Vögel. Wie immer verfliegt die Zeit, und um
den kleinen Ausflug noch ein bisschen in die Länge zu ziehen, setzt er sich kurz vor seiner Rückfahrt in die Großstadt noch auf eine lauschige Bank. Er versinkt tief in seinen Gedanken, bis er von einem älteren Herrn angesprochen wird. Er hat eine große Hündin dabei.

„So alleine?“

„Ja“, lächelt Florian freundlich, „das ist für mich der Normalzustand.“

„Für mich auch!“

„Was? Das ist interessant! Sehr viele Menschen möchten lieber in Gesellschaft sein!“

Florian wittert einen Gleichgesinnten. Er macht fast alles in seinem Leben allein. Er wohnt allein und
trifft sich nur ab und zu mit anderen Menschen, z. B. zum Tischtennis, auf ein Bierchen oder auch zum Videochatten.

Der Herr erläutert ausführlich, wie allein er sei, wie sehr er das genieße, dass er in einem Blockhaus
mitten im Wald aufgewachsen sei und ein Grundstück weit weg von jeder Zivilisation besitze.

„Wow“, sagt Florian, „und Sie treffen sich da nicht mit Leuten?“

„Nein. Ich lebte dort mit meiner Wölfin.“

„Mit Ihrer Wölfin??“

„Ja, das ist verboten, aber über Holland und mit ein bisschen Nachhilfe hat das geklappt. Sie wurde
sechs Jahre alt. Ich habe noch einen Wolf bekommen, mit dem ich lebte, bis er nach 16 Jahren starb.“

„Der schamanisch angehauchte Lehrer einer Bekannten von mir besaß auch einen Wolf; er lag mit
ihm im selben Bett. Ist das gut für das Tier?“

„Das ist kein Problem, solange das Tier den Ort freiwillig aufsucht.“ Er seufzt. „Wölfe sind viel treuer
als Hunde.“

Florian blickt auf die Hündin herab, die sich an seine Beine kuschelt.

„Treuer als ein Hund? Hunde sind doch so treu! – Möchten Sie sich nicht setzen?“

„Nein, wenn ich erstmal sitze, ist das nicht so günstig für mich. Ja, Wölfe sind total auf einen
Menschen fixiert. Deswegen habe ich in meinem Alter auch keinen weiteren Wolf genommen,
sondern einen Hund. Wenn ich sterbe, könnte der Wolf sich an niemanden gewöhnen. Er wäre
verhaltensgestört.“

„Hm, dann haben Sie das aus Rücksicht auf den Wolf so entschieden.“

„Ja.“

Der Herr wischt auf seinem Handy herum. Er will Florian ein Foto von seinen Wölfen zeigen, doch
findet er die Fotos nicht.

Florian denkt, dass der Mann so allein gar nicht ist, wie er sagt, wenn er immer einen tierischen
Begleiter bei sich hat. Er selbst hat nie ein Tier besessen und sehnt sich schon lange nach einer
Herzenspartnerschaft mit seiner zukünftigen Liebsten. Monetäre Gründe hat er nicht dabei, sondern
es ist ihm ein seelisches Bedürfnis, eine echte Liebe zu leben, die frei lässt.

Der Herr steckt sein Handy weg. „Ich habe als Kind geträumt, dass ich einen Wolf habe!“

„Das ist sagenhaft! Und Sie haben sich den Traum zweimal in Ihrem Leben erfüllt!“

„Ja.“ Er schluckt. „Meine Frau und meine Kinder … Nachdem der zweite Wolf verstorben war, haben
Sie mir sie hier als acht-wöchigen Welpen geschenkt. Ich hatte den dritten Wolf schon bestellt. Die
Kleine lief auf mich zu und ich wusste, dass ich den Wolf wieder abbestellen muss. Das war bitter.“

„Ach, dann war das gar nicht Ihre Entscheidung, so wie Sie es vorhin darstellten. Es war die
Entscheidung Ihrer Familie. Das war Gruppendruck.“

„Ja.“

Und wieder wundert sich Florian. Was versteht der Herr unter Alleinsein? Er hat stets tierische
Begleiter, ist verheiratet, hat Kinder. „Das habe ich nicht“, denkt er, „ich bin schon 58 und kein Kind
ist da, geschweige denn Enkel.“

„Ich bin ja schon alt. Wenn ich auf Hilfe angewiesen sein werde, stelle ich meinen Herzschrittmacher
aus. Ich habe einen Magneten dafür.“

„Haben Sie keine Angst vor dem Sterben dabei? Oder wollen Sie sich vorher betäuben?“

„Das ist nur ein Stich.“

„Und weiß das Ihre Frau?“

Der Herr sucht nach Worten. „Meine Frau geht an zwei Krücken.“

Er wischt wieder auf seinem Handy. Es will einfach nicht gelingen. Endlich hat er ein Foto und zeigt es
Florian. Die Wölfin hat große Ohren und ein bräunliches Fell.

„Ein Wolf läuft nicht im Zickzack hinter einem Reh her, wie Hunde das tun, sondern grade“, schwärmt
er. „Ich habe ihm einmal gezeigt, er solle in die Ausbuchtungen der Wege gehen, falls Fahrräder von
vorn kommen, und seitdem machte er das immer von allein.“

Während sie sich weiter über Hunde und Wölfe unterhalten, kommen immer wieder Spaziergänger
vorbei. Er kennt die Leute jeweils. Mit einer Hundebesitzerin ist er jeden Tag neunzig Minuten
spazieren gegangen.

Florian fasst zusammen: „Das haben Sie sich schön eingerichtet. Sie führen eine Ehe, Sie haben
Kinder, Sie kennen viele Leute, Sie gehen gern mit Leuten zusammen spazieren, und Sie quatschen
auch gern ausführlich mit fremden Leuten.“

„Ja.“ Er schmunzelt.

„Und Sie sind auch gern allein, mit Hund.“

„Ja.“

Als sie sich verabschieden, ruft er seine Hündin etwas verliebt zu sich. Sie brechen auf und sie bellt
einmal laut auf vor Freude, jetzt mit Herrchen weiter spazieren zu gehen.

Florian macht sich nun auch auf den Weg zurück in die Stadt. Aber er lässt sich Zeit dabei, weil er
seine Gedanken noch sortieren will.

„Wie unterschiedlich Menschen den Begriff allein interpretieren“, sinniert er bei sich. „Für ihn sei das
der Normalzustand, hatte der Herr doch eingangs gesagt. Hatte er das auf die meisten seiner
Spaziergänge bezogen? Nicht auf das Leben generell, wie ich?“

Ein Salamander huscht vom Wegrand ins Gebüsch.

Florian spricht laut vor sich hin: „Er sucht die Einsamkeit und wird von der Familie zu Sachen
gedrängt, die er nicht will. Andererseits quatscht er und quatscht. Was will er? Welche Bedürfnisse
bringt er in seinem Leben unter? Oder hatte er in Wirklichkeit nie das Bedürfnis nach einer eigenen
Familie, ist da so reingerutscht und löffelt die Suppe jetzt aus?“

Florian bleibt stehen und betrachtet einen Kleiber, wie er an einem Eibenstamm zupft.

„Der Herr will doch die unbedingte dauerhafte und ehrliche Nähe eines Wesens. Sonst wäre er nicht
so vernarrt in die Treue eines Wolfes. Ich hingegen suche nicht die tierische Treue und die
Verantwortung für ein Tier. Ich will allein sein und in einer Partnerschaft leben. Ich kann allein sein.
Kann es der Mann auch? Nein, er hat immer ein Tier bei sich. Wir beide verstehen was ganz anderes
unter dem Alleinsein.“

Inzwischen hört er bereits die Autostraße.

„Wie toll, dass sein Kindheitstraum zweimal erfüllt wurde!“, denkt er. „Vielleicht wird es mein Traum
ja auch.“

Florian träumt von einer Gesellschaft, in der die Menschen aufeinander achten, statt die Ellebogen
auszufahren und sich gegenseitig zu betrügen. Er fragt sich, wie man in einer erneuerten Gesellschaft
den unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen gerecht werden kann. Er fragt sich, wie wichtig es
ist, wirklich allein sein zu können. Er fragt sich, wer das eigentlich kann.

Nun steigt er auf sein Rad. Gegen den Straßenlärm an ruft er in den Wind: „Und wer ist sich
überhaupt dessen bewusst, was er wirklich will und was genau ihn motiviert? Der Wolfsmann kann
doch gar nicht allein sein; er meint es nur. Wie ist dann Verständigung möglich?“

An einer Ampel flaut der Krach ein wenig ab und Florian hört den Ruf eines Bussards in der Nähe des
Wäldchens. Kurz zweifelt er daran, dass sein Traum Wirklichkeit werden könnte – er erscheint ihm zu
hochgegriffen, weil so viele Menschen sich selbst und ihre Motive nicht gut kennen. Wie soll das
dann was werden? Wenn man sich selber nicht versteht, kann man doch mit anderen keine
Verständigung erreichen.

Die Ampel springt auf Grün und Florian tritt kräftig in die Pedale. „Das müssen wir Menschen eben
lernen und üben“, denkt er, „und ich werde dabei helfen. Wir müssen uns viel öfter gegenseitig
erläutern, was wir überhaupt meinen mit unseren Worten. Und wir sollten uns und unsere Motive
stärker hinterfragen.“

Zuhause angekommen schlägt er ein Büchlein auf und liest:

Misstraue deinem Urteil, sobald du darin den Schatten eines persönlichen Motivs entdecken kannst.
Marie von Ebner-Eschenbach

Die Zufallsbegegnung mit dem Wolfsmann wird nicht umsonst gewesen sein! 

https://zukunftswerkstatt.events/wie-wollen-wir-leben-und-wie-gut-kennen-wir-uns-selbst/

Gemeinwohl-Bioladen Berlin Charlottenburg

Der Gemeinwohl-Bioladen Berlin Charlottenburg
stellt sich vor

Ein Gespräch mit Grit Karen Hallal

Hinweis: Leider gibt es den Gemeinwohl-Bioladen nicht mehr.
Trotzdem sind Grits Erfahrungen und ihr Wissen für Gemeinwohl-Projekte sehr wertvoll!

Der Gemeinwohl-Bioladen Berlin Charlottenburg stellt sich vor

Foto: Grit Hallal

Ich bin mit Grit verabredet, um etwas über ihren kleinen, preisgünstigen Bioladen zu erfahren.
Ich habe in meinem Leben oft in Bioläden gearbeitet und fühle mich in alte Zeiten zurückversetzt.

 

Begegnung

Hier ist die Atmosphäre freundlich und ruhig; niemand verbreitet Hektik, und die Leute sind häufig zu
einem Schwätzchen aufgelegt. Im Regal stehen größere Gefäße mit Getreide, Nüssen, Müsli und
vielem mehr, aus denen man mitgebrachte oder im Laden befindliche Gläser und Tüten befüllen
kann. Vor dem Laden sind besonders viele Obst- und Gemüsesorten aufgetischt. Das sieht sehr
einladend aus, weil die Produkte so sinnlich und hübsch bereitstehen.

Ich packe eins der neben dem Eingang stehenden viel benutzen Körbchen voll mit roten
Weintrauben, Zucchini, Aubergine, Möhren, Pfirsichen, Kartoffeln, Zwiebeln und Vollkornbrot. Leider
sind die köstlichen Lakritzschnecken grade aus.

Als ich die drei Stufen hinunter auf den Bürgersteig trete und mich etwas umschaue, sehe ich sie
kommen: eine bildhübsche Frau, die sich toll und selbstbewusst kleidet. Ohne ihre Tasche abzulegen
beginnt sie sofort, alles zu arrangieren, was ihr ins Auge fällt: Es liegt zu viel Salat draußen. Da wegen
des Sommerlochs morgen keine frische Ware kommen wird, sollte ein Teil der Salatköpfe im
Kühlschrank verwahrt werden. Nebenbei steckt sie zwei Salate auf dem Tisch draußen in Körbe und
drapiert einen Bund Lauchzwiebeln dazu. „Alles, was sie anfasst, sieht sofort ästhetisch aus“, denke
ich und staune.

Nachdem sie allerlei andere Handgriffe getätigt und den großen Kühlschrank etwas umgeräumt hat,
treten wir in die kleine Küche, um mit unserem Gespräch zu beginnen. Hier lagern etliche Waren und
alles steht voll mit Küchenutensilien. Die Vormieterin hat die Wände mit einem griechischen Motiv
angestrichen. Rundbögen, Himmel und Meer, Vögel, und wie zufällig aus den Farben heraus sichtbare Gesichter.

„Mein vollständiger Name ist Grit Karen Hallal, geborene Rössiger“, beginnt Grit das Gespräch, „Grit
kommt von Margrit und bedeutet die Perle. Karen bedeutet rein. Ich habe jahrelang recherchiert
nach dem Namen Rössiger. Er ist sehr alt und heute gibt es ihn kaum noch. Er bedeutet rosige Zeiten.
Hallal heißt ja im Arabischen rein, sauber und erlaubt, hallal ist eigentlich das, was dir von Gott
gegeben wird, und im Hebräischen heißt es Gott anbeten. Daraus habe ich gemacht: eine schöne
reine Botschaft von rosigen Zeiten verkünden, oder von Gottes Zeiten verkünden.“

„Was ja die Perle auch macht“, werfe ich ein, „die Perle ist ja ganz rein und durch viele
Lebensprozesse so geworden.“

„Ja, ich habe wie viele Kinder mit meinem Namen gehadert, weil Grit ist sowas Kurzes und Nicht-
Schwingendes und heißt im Englischen auch noch Mühlstein. Ja, ich schleife hier auch einiges.“

„Ein Mühlstein ist ja auch für Brot da, wenn Getreide gemahlen wird.“

„Was Nährendes.“

„Das hat ja viel hiermit zu tun“, ergänze ich und zeige auf die Räumlichkeiten.

Reise in Grits Vergangenheit

„Ja. Ich bin jetzt so kurz vor sechzig und habe einen Riesentanker an Wissen angesammelt und bin
damit noch nicht am Ende. Es begann mit der Ausbildung zum Koch. Da hatten wir zu DDR-Zeiten in
der Berufsausbildung Ernährungslehre, Warenkunde, die Bedeutung für die Ernährung, was macht
was … fand ich damals bestimmt nicht so interessant …, aber ich hab’s gemacht und es schwingt auch
bis heute irgendwo mit. Ich habe die gemacht, weil es in der achten Klasse zum Abi nicht gereicht
hat. In der zehnten wusste ich nicht, was ich machen sollte, aber Abi wollte ich haben. Zu DDR-Zeiten
gab es etwas, das mit dem heutigen dualen Studium vergleichbar ist: Du hast erst eine dreijährige
Ausbildung gemacht und dann Abitur. Eine Lehre war was anderes und die dauerte nur zwei Jahre.
Es gab Kellner, Baufacharbeiter, Verkäufer und Koch. Kellner hatten sie abgeschafft, weil die alle nicht
zum Studium gegangen sind. Da dachte ich mir: Wirste Koch, deine Mutter kann eh nicht kochen.
Kriegskind. Wer traumatisiert ist, hat den Zugang zu seiner Kreativität und zu seinem Gewahrsein
nicht eingeschaltet oder abgeklemmt, und meine Mama hat alles zerkocht. Ich dachte, dann kannst
du wenigstens kochen, und wenn du keinen Studienplatz findest, kannst du arbeiten. Es war nicht
typisch zu DDR-Zeiten, dass du automatisch einen Studienplatz hattest.

Dann habe ich Großhandelstechnologie studiert, nicht Gastronomie. Es gab eine Quote von eins zu
zehn. Prozesse gestalten, Lebensmittel, Supermärkte technologisch auszugestalten … Es sind
Prozesse dahinter, Technologien dahinter. Ich durfte den Marx noch lesen, den heute wieder viele
lesen. Ich habe den sozialistischen Ökonomen immer ihre Dusseligkeit nachgewiesen: Es gibt
Gesetzmäßigkeiten; dann müsst ihr sie auch anwenden. Das war so Ende der DDR. Ich habe die Zeit
von Glasnost noch mitgemacht, das was ja heute eigentlich auch unter Gemeinwohl-Ökonomie läuft.
Wir waren damals Studierende. Ich war 1988 fertig. Das war übrigens der erste Bachelor-Studiengang
in DDR-Zeiten, was viele nicht wissen. Wir haben einen Hochschulökonom gemacht und ein Drittel
durfte nur den Master hintendran hängen, ein postgraduales Direktstudium zum Erwerb des Diploms, booohh.“

Grit spricht die letzten Worte ironisch wichtigtuerisch.

„Der Sputnik war so ein Hochglanzmagazin, das keiner gelesen hat, aber nachdem es Gorbi gab, war
es Bückware, und was viele heute nicht mehr wissen oder auch nie wussten, und ich war da grade
fertig mit dem Studium, ist: Betriebsräte zu bilden, sowas gab’s nicht, Mitbestimmung, Transparenz.
Und wir haben gesagt: Nein! Wir wollen unseren eigenen Sozialismus machen, der eben keine
Diktatur ist, sondern einen, der selbstbestimmt ist, und das wollten auch die, die montags in Leipzig
auf die Straße gegangen sind. Da war ja nicht Wir sind ein Volk sondern Wir sind das Volk, also sprich
Selbstbestimmung. https://de.wikipedia.org/wiki/Sputnik_(Zeitschrift)

Und ich glaube einfach, aus der großen Perspektive war es noch zu früh dafür.“

„Und da siehst du einen Zusammenhang zur Gemeinwohl-Ökonomie – würdest du das mal erklären?“

Die Gemeinwohl-Ökonomie GWÖ

„Ja, mein großer Vorwurf an die Gemeinwohl-Ökonomie … Ich habe sie hier in Berlin damals auch
mitgegründet 2013, war auch ein Jahr Vorstand, habe dann aber auch gesagt: Wenn ihr den
wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten nicht folgt – bestimmte Dinge muss man dann halt beachten –,
dann lege ich mein Amt nieder. Das habe ich 2014 gemacht und habe den lernsinn zeitgleich
gegründet. https://www.fu-berlin.de/sites/schueleruni/netzwerk/partner_faq/lernsinn-erlebbar.html https://www.grit-hallal.de/%C3%BCber-uns/lernsinn-erlebbar-e-v/

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist sehr akademisch, weil Christian natürlich auch ein Akademiker ist und sehr beratungslastig.“

„Beratungslastig?“

„Also, beraterlastig. Christian trägt die Gemeinwohl-Akademie brav auf seinem Rücken wie Atlas
spazieren in die Weltgeschichte und stellt die allen vor und ermutigt andere Menschen, es dann doch
zu tun und zu leben. Dazu gibt es eine große Gruppe Berater, die ihr Brot mit der Gemeinwohl-
Beratung verdienen, also Organisationen und Unternehmen zu begleiten, die sich GWÖ-bilanzieren
lassen wollen. Die wollen ihr Geld verdienen damit.

Es gibt eine große Diskrepanz. Die berühmte Arbeiterklasse kennt die GWÖ gar nicht. Es ist sehr
akademisch und bildungsbürgertumnah und -lastig. Sie wollen die Welt verbessern.

Ich stehe in der GWÖ-Bewegung manchmal ein bisschen einsam da, weil wir Gemeinwohl-Ökonomie
leben. Auch ohne Zertifikate. Es gibt viele Unternehmen, die das schon tun, aber viele engagieren
sich nicht so –wie meine Kollegin oder ich – jahrelang durch leibhaftiges Leben in der GWÖ. Ich
glaube, wir leben zu hundert Prozent die GWÖ und manchmal übertreiben wir es auch ein bisschen damit.

Die GWÖ, die Christian in seinem Buch beschreibt, ist eine Ökonomie, die dem Menschen wieder
dient. Heute haben wir die Mainstream-Wirtschaft, der alles untergeordnet ist. Die Natur, der
Mensch, die Tiere, alles wird diesem wirtschaftlichen Aspekt, also dem Geldverdienen,
untergeordnet. Während Ökonomie und Oikonomos ja eigentlich haushalten heißt.
(οἰκονόμος , von οἰκο – „Haus“ und – νόμος „Regel, Gesetz“).
Es geht also darum, die Dinge so zu verteilen, dass es der Gemeinschaft dient. Das ist eigentlich auch
was Weibliches. Dazu dient im Übrigen der sozialistische Wirtschaftsbegriff auch. Die Wirtschaft
diente dazu, Bedürfnisse zu befriedigen. Punkt Ende. Während im Kapitalismus die Wirtschaft Geld
generieren soll und dadurch auch Bedürfnisse kreiert werden, die es eigentlich gar nicht geben
würde. Playstation braucht niemand. Das ist ein künstlich erzeugtes Phänomen. Was wir brauchen ist
Singen, Tanzen, Klatschen, Essen, Mobilität. Daran scheitern wir jetzt, glaube ich, auch mit dem Auto,
oder vielleicht kommt auch irgendwann jemand auf die Idee, dass wir einen vierhundertjahrealten
Gaul reiten. Wir brauchen eine andere Mobilität. Das Bedürfnis dahinter ist eigentlich, dass wir von a
nach b kommen wollen und das bitte mit dem geringsten wirtschaftlichen Aufwand. Das kann man
beim Auto nicht sagen! Es verbraucht Straße, natürliche Ressourcen und es ist ganz stark vom Ego
getrieben: Ich brauche ein Auto, um etwas wert zu sein. Wir sehen es an den Svus: Es muss so groß
wie möglich sein.“

„Du meinst, es ist ein Statussymbol. Guck mal, ich habe einen SUV.“

Wir lachen uns kringelig.

„Diese Dinger braucht doch keiner. Wir haben vor zehn Jahren … vor zwanzig Jahren den Smart
gehabt, wo es immer darum ging, noch kleinere Autos zu haben. Wo sind die eigentlich hin?!
Stattdessen haben die sich jetzt versechsfacht, also wenn man die in so einen Svuv oder SUV packt.“

Wir lachen wieder.

Wir meinen das hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sport_Utility_Vehicle#:~:text=Sport%20Utility%20Vehicles%2C%20ab
gek%C3%BCrzt%20SUV,Fahrkomfort%20%C3%A4hnelt%20dem%20einer%20Limousine.

„Den kann man ja fast hinten rein packen in die Ladefläche. Wer braucht das. Das Bedürfnis ist ja
eigentlich das nach Mobilität. Und dann ist da ein zweites: Ich muss zeigen, dass ich wichtig bin –
sonst würde ich so ein Ding ja nicht kaufen – und dass ich Geld habe. Das ist kein Bedürfnis, sondern
das Ego; es ist ein Luxusproblem. Oder ein Mindset-Problem, was auf der Straße ausgetragen wird.

Wir brauchen Mobilität, die die Ressourcen, die Umwelt und die Erde am wenigsten belastet. Wenn
wir uns danach richten würden, kämen wir zu ganz anderen Ergebnissen.“

„Ist das auch die Philosophie der Gemeinwohl-Ökonomie?“

„Ja. Wenn wir es am Auto festmachen würden: Wenn die Grünen, also, ich meine Habeck und seine
Regierung, jetzt dazu kommen würden und sagen würden: Wir verbieten das Auto!, ich glaube dann
wäre der Deutsche bereit, einen Volksaufstand zu machen. Er ist ja zurzeit zu nichts bereit zu
kämpfen, aber wenn sie ihm sein Auto wegnehmen, dann geht’s ans Eingemachte.

Die GWÖ ist sozusagen das Schiff, wie wir – nicht zur autolosen Gesellschaft kommen, sondern wie
wir – unser Handeln immer wieder einstellen und sagen: Bin ich eigentlich einverstanden mit dem,
was ich mache? Bin ich eigentlich einverstanden mit den Folgen meines Tuns?

Neulich hatte ich eine Kundin, die bei Rossmann die Hafermilch gekauft hat. Die ist natürlich
preiswerter als bei uns. Warum denn? Weil dort Preise gedrückt werden, und zwar beim Bauern und
beim Produzenten. Und wir schauen hier, dass wir nicht die Preise beim Produzenten drücken, weil
die Energie … Du bist, was du isst. Wenn wir unseren Bauern das faire Einkommen wegnehmen, dann
haben wir als Ergebnis, dass erstens die Kaufkraft sinkt – das ist ein Phänomen, das vielleicht vielen
gar nicht bewusst ist – und zweitens wir nicht wirklich kontrollieren, was eigentlich drin ist in der
Hafermilch. Wir sind ein Unverpacktladen, weil du so absolut kontrollieren kannst, was auf den Teller kommt.

Die fünf Werte des menschlichen Handelns

Die GWÖ bemisst das wirtschaftliche oder das menschliche Handeln nach fünf Werten:

Menschenwürde
Wir haben lernsinnerlebbar gemacht und machen Newwork und da geht es darum, dass jeder sein
Potential entfaltet. Artikel eins und zwei des Grundgesetzes. Da sind sie noch nicht ganz so
tiefgründig. Ich bin eine der wenigen Personalentwicklerinnen in der Bewegung gewesen oder bin
eine, und die meisten sind Organisationsentwickler und Berater. Und ich steh immer da und sage: Ihr
müsst aber die einzelne Person entwickeln, weil eine Organisation immer nur so stark ist wie ihr
schwächstes Glied. Das merken wir hier auch immer wieder. Wenn einer nicht da ist, dann merkst du
schon, wie groß deine Organisation ist.
https://www.grit-hallal.de/die-nw-akademie/die-nw-projekte/new-work-management/

Soziale Gerechtigkeit und Solidarität
Das sind zwei Werte, die zusammengefasst wurden, weil sie sehr ähnlich sind, aber ich glaube, am
Solidaritätsbegriff haben sie sich ja anständig abgearbeitet.

Ökologische Nachhaltigkeit steht schon seit 2011 bei uns auf dem Programm. Wir haben sehr viele
Klimaaktivisten mit in den Reihen. Ich finde ökologische Nachhaltigkeit viel sinnvoller aus meiner
Perspektive, weil weniger Ideologie drin ist und der Mensch es gut selber in seinem Fußabdruck
nachlesen kann: Was passiert eigentlich damit … Während so das große Klima – ist so eine
Geschichte für sich.

Transparente Mitbestimmung und Mitentscheidung
Mit diesen grundlegenden Werten geht Christian auch raus; sie sind in der Glücksforschung
herausgefunden worden, die Beziehungen gelingen lassen. Nur in der Wirtschaft funktionieren die
nicht. Die GWÖ misst jetzt das Wirtschaften auch am finanziellen Erfolg, aber vor allem danach, wie
die Beziehungen gelingen: Trägt dein Produkt, deine Dienstleistung, zu irgendwas bei? Geht es denen
hinterher besser? Bist du mit deinem Produkt solidarisch, also gibt es Möglichkeiten, dass es für
ärmere Menschen geht? So wie wir hier lange den Solipreis hatten. Wie gehst du mit deinen
Mitarbeitern um und wie gehst du mit den Miteigentümern um?
Es ist ja nicht immer so üblich, dass jeder Inhaber nun unbedingt mehr verdient als seine Mitarbeiter.
Bei Kleinstunternehmen ist es oft so, dass es dem Inhaber finanziell besser, aber von der
Lebensqualität her wesentlich schlechter geht. Er kann sein Baby nicht einfach abgeben.

Der Gemeinwohl-Bilanzierungsprozess dient dazu, dass Unternehmen sich die Frage stellen: Was ist
der Ist-Zustand und wo wollen wir eigentlich hin?

Je mehr Unternehmen und Menschen, so die Theorie von Christian, die GWÖ ausfüllen oder diesen
Prozess machen, umso mehr hebt sich das Bewusstsein.“

„Er redet auch über das Bewusstsein, das sich erhebt?“

„Ja. Vor allen in den früheren Jahren. Da hießen die Regionalgruppen ja auch noch Energiefelder.
Dann sagten aber viele Menschen, das sei zu spirituell. Das ist reine Quantenphysik, ihr Idioten,
Entschuldigung. Da haben die Bewegung und auch Christian zurückgerudert und gesagt: Ja gut, dann
heißt es Regionalgruppe. Damit sich viele nicht daran aufgeilen. Anstatt denen das mal zu erklären:
Jeder Mensch hat ein Feld und der Mensch besteht aus Energie. Da gibt es alljährlich Nobelpreise für.

Nicht mal für ‘ne Million könntest du mich Vollzeit irgendwo einsperren; das funktioniert heute nicht mehr.“

Die Gemeinwohl-Ökonomie formen

„Wenn du einen Wunsch frei hättest: Was würdest du dir an der GWÖ anders oder dazu wünschen?“

„Sieben Linden hat mich zur Podiumssitzung eingeladen, weil die Schwierigkeit besteht, dass die
GWÖ Mainstream wird, weil sie von den Menschen so schlecht gepackt werden kann. Christian
meint, wir brauchen jemanden von hier, der sagt: Ja, das kann man leben, das funktioniert.
https://siebenlinden.org/de/

Ich habe vier GWÖ-Sommerwochen von 2018 bis 2022 mit über hundert Teilnehmern organisiert.
Nebenbei und unentgeltlich. In den Sommerwochen 2017 habe ich angemerkt, dass die
Menschenwürde mir zu flach ist. Bei Newwork muss jedes Unternehmen danach bewertet werden,
ob sie ein begabungsorientiertes Onboarding-Offboarding-Potentialmanagement haben.

In vielen Bewegungen, auch hier im Bioladen, haben wir viele, die nichts mit Wirtschaft zu tun haben.
Sie kamen mit ihrem Bedürfnis zu uns und haben jahrelang den Kahn übernommen.

Es geht in diesem Kahn eigentlich nicht darum, dass wir sparen – das ist der Nebeneffekt, wenn ich
mich engagiere und wenn sich mehr engagieren –, sondern der Haupteffekt war, dass wir ein anderes
Wirtschaften aufstellen wollten. Wir haben aber sehr viele Menschen angezogen, die sparen oder
überleben wollen in diesem System oder außerhalb dieses Systems.
Ich stehe mit dem Laden eigentlich für die Idee: Du musst einen Change machen!
Also, wenn wir immer weiter das machen, was wir bisher machen, kommen wir immer wieder dahin,
wo wir sowieso schon sind – Einstein –, also müssen wir doch etwas ändern. Und Menschen, die im
Dysstress sind, die arbeiten auf ein Ziel hin, damit endlich was passiert. Und dann fallen sie erstmal
zusammen und sind orientierungslos: Wo ist unser Ziel, wir wollen unser Ziel! Und sie verlieren ganz
viel Energie. Sie haben intern Stress, Angst, Aggression, weil sie ja auf dieses Ziel hinarbeiten müssen.
Das macht fest, das macht hart, ich verbiege mich.“
https://www.grit-hallal.de/die-nw-akademie/die-nw-projekte/new-work-management/

Die Entwicklung des Gemeinwohl-Bioladens Berlin Charlottenburg

„Ist das vor sieben Jahren gewesen? Ihr habt ja neulich euren siebten Geburtstag gefeiert.“

„Ja. Wir haben ja auf der einen Seite an die Zivilbürgerschaft appelliert. Je mehr wir sind und je mehr
Leute was anfassen, umso eher kannst du zum Einkaufspreis oder zum entsprechenden Aktionspreis
einkaufen. Das ist definitiv gescheitert. Eigentlich müsste es funktionieren. Wie bei der SuperCoop
oder der solidarischen Landwirtschaft. Alles im Modus Wir wollen was retten ist im Dysstress.
https://supercoop.de/

Die können überhaupt keine Fragen stellen: Was trägt dem Laden bei? Wen kann ich ansprechen, um
zu begeistern? Was will ich denn hier machen, das mir Freude macht und dem Laden dient? Die
Fragen kommen ja gar nicht. Wenn du in der Begeisterung bist, stellst du ständig Fragen. Zum
Beispiel auch: Was stimmt nicht? Warum bin ich jetzt nicht mehr begeistert? Und du fragst: Was
können wir machen, damit es besser wird? Was braucht das Baby, damit es jetzt voran geht?
Menschen im Dysstress können diese Fragen nicht stellen. Und sie haben keine Klarheit darüber, was
sie eigentlich beitragen können, was ihnen auch beiträgt. Also, wo sie sagen: Hey, jetzt bin ich im Spielen!

Wir haben jemanden eingestellt, der das Onboarding machen sollte und und und … Da der selber
auch im Stress war und sich nicht reflektierte, war das Ergebnis, das es an dieser Stelle
auseinandergefallen ist. Das ist auch ok so. Ich glaube, wir haben unsere Lernphasen abgeschlossen.
Ich auch.

Was will der Laden jetzt eigentlich? Mein Bedürfnis ist, Menschen zu befähigen, in die
unternehmerische Mitverantwortung zu kommen. Die haben sie ausgeschlossen; sie waren nie
Miteigentümer, es war ihnen egal, ob der Laden läuft oder nicht läuft. Es gab auch nie wirklich
Empfehlungen wie: Hey Grit, könntest du dies oder jenes machen? Weil … mein Einkommen hat den
Laden gegenfinanziert. Der Sack ging immer wieder zu. Das haben wir kurz vor Corona schon gehabt.
Ich habe gesagt: Es geht nicht mehr, ich habe keine Coachings, ich kann nicht mehr.“

„Etwas von dem, was du einnimmst durch deine unterschiedlichen Arbeiten, macht es überhaupt
möglich, dass dieses Projekt hier existiert. In der Zukunft, die wir bauen wollen, oder schon bauen, da
ist das natürlich ein No-Go.“

„Da geht das nicht.“

„Aber wir sind ja in der Zwischenphase. Da kann man ja nur danke sagen, dass es dich gibt, oder
vielleicht auch andere Leute, die sagen: Hier habe ich was, das setze ich jetzt mal ein. Aber nicht für
diesen alten Drehkreislauf: noch mehr haben noch mehr haben noch mehr kaufen …“

„Genau. Wir haben bis diesen März jemanden dabeigehabt, der hat bei einer Amazon-Tochter
gearbeitet. Der hat jahrelang so einen Hass auf diesen Job gehabt.
Er hat sich rausgelöst und sich ein Häuschen auf dem Land gekauft, schafft jetzt ehrenamtlich bei der
Tafel mit.
Wo ich sage: Die Tafel ist eine der größten Stützen dieses Systems.

Das wollten wir eigentlich auch, dass du zum Einkaufpreis einkaufst, wenn du hier arbeitest.

Wir haben sehr wenige von der Grundsicherung oder vom Bürgergeld dabeigehabt. Die sind so eng
im Mindset, wenn es nicht eine bewusste Entscheidung ist, das als Grundeinkommen zu nehmen, um
sich zu entfalten und zu sagen: Ok, ich kann jetzt ein Experiment machen! oder so, sondern viele
wählen Grundeinkommen, um im Mangel zu sein.“

„Das Grundeinkommen würde ich als eine Gabe ansehen wie deine Finanzierung dieses Ladens,
nämlich ein No-Go für die Zukunft, weil es ja kein oi ist und keine Balance.“

„Nein, keine Balance. Es ging über die Kräfte.“

„Das Grundeinkommen wäre aus meiner naiven Sicht auch eine Möglichkeit nur für die
Übergangsphase, damit Leute mehr in ihre Freiheit und ihre Kreativität kommen.“

„Ideen manifestieren wir sofort in 5D.“

„Ich finde, dass das Grundeinkommen eine Superidee ist. Ich hatte damals auch die Petition
unterschrieben.“

„Es ist ein wunderbares Experiment, aber viele sind vom Mindset her nicht so weit.“

„Aber die, die so weit sind, können es sich zunutze machen, eben für solche Dinge wie zu sich zu
kommen, und dann für die Gesellschaft, für sich und für das Leben zu wirken.“

„Ja.“

„Nicht um Kohle zu scheffeln, sondern aus anderen Gründen.“

„Ja.“

„Und das kann aber auch nicht so bleiben. Das kann auch nur ein Zwischenstadium sein. Irgendwann
ist das hinfällig und es gibt die natürlichen Kreisläufe wieder.“

„Das Leben, das auf uns wartet, können wir uns gar nicht vorstellen. Das wird so schön! Das Denken
wird ganz anders! Ohne Probleme, ohne …“

„Ohne Neid, ohne Missgunst, ohne Verurteilungen. Das fällt alles weg. Was das für eine
Energieeinsparung ist! Und was das dann für eine Reinheit in unserer Luft und in unserem Äther bedeutet.“

„Ja.“

Preisgestaltung im Gemeinwohl-Bioladen Berlin Charlottenburg

„Du sagtest, dass es in dieser Form gescheitert sei. Wie kommt es dann trotzdem zu diesen
attraktiven Preisen?“

„Wir sind gerade in einer Transformation, wobei ein Großteil noch zuguckt und der andere wartet,
und viele mich anschauen und sagen: Grit, mach mal.
Wir stehen in einer ziemlich unglücklichen und doch glücklichen Situation, weil wir sehr hohe
Außenstände haben durch diesen langen Entscheidungsprozess. Ein Pärchen ist jetzt wieder raus. Wir
haben gesagt: Wir sind ein Nadelöhr der Wahrhaftigkeit, und früher oder später bekommt man es
raus. Diesmal war es früher. Und Gott sei Dank ohne wirtschaftlichen Schaden für alle. Die durch das
Dreivierteljahr stark gewachsenen Außenstände sollen durch Übernahme und Abkauf abgedeckt
werden. Das hätte das Pärchen gekauft. Ich kann vielleicht auch an mich selbst verkaufen und ich
weiß, wo die Fördermittel sind, mit denen ich die Außenstände bezahlen will.

Der Laden ist ein Teil eines Projektes, Selbstversorgerladen. Die zivile Bürgerschaft soll durchaus im
kleinen Rahmen noch bleiben, aber Unternehmen sollen gegenfüttern. Es soll ein Konzept für
Unverpacktläden, für kleine Bioläden und allgemein für kleine Ladner sein.
In der Coronazeit habe ich gedacht: Jetzt nehmen sie den Deutschen das liebste Kind weg: Shoppen.
Früher sind wir nicht als Sonntagsbeschäftigung in die Einkaufszentren gefahren. Ich habe die
Shoppingmalls, die sie vor zehn Jahren gebaut haben, geprüft, als ich im öffentlichen Dienst war. Vor
zehn bis dreizehn Jahren war ich auch in der Sharing-Ökonomie dabei. Plattform-Ökonomie wird
schon seit zwanzig Jahren gedacht – die Verantwortung für Lebensmittel und für Versorgung
gemeinsam zu denken.

Wir wollen ab September mit der ersten Kita beginnen. Wir wollen den Kitas, die so klein sind, dass
sie selber nicht beim Großhändler Terra bestellen können, die Prozesse abnehmen und Gastronomie
mit einbinden. Die Kommission von Terra ist nicht passend für den Einzelhandel, für die
Gastronomen, die Kitas. https://www.terra-natur.com/

Kleine Unternehmen denken auch bei Fabrikverkauf an ihre eigenen Produkte.

So habe ich mich mit der Demeter-Bäckerei Märkisch Landbrot unterhalten. Sie sagten: Die
Mitarbeiter bekommen Deputat, also Anteile von der Produktion. Aber wie viele Brote kannst du in
einer Woche essen?! Aber eine Bäckerei, erst recht eine Demeter-Bäckerei, kauft Butter, Mehl und
Gewürze – wieso versorgst du deine Mitarbeiter dabei nicht? Die Antwort war: Die gehen bei Aldi
und Netto einkaufen. Es kann nicht sein, dass ein Demeter-Bäcker selber beim nächsten
Schweinehund einkaufen geht!“ https://www.landbrot.de/

„Eben! Eben!“

„Da stimmt wieder was im Mindset nicht.“

„Genau. Mindset, aber vielleicht auch die wirtschaftliche Situation des Einzelnen.“

„In einem Mitarbeiterladen, in dem sie sich selbst versorgen, könnte man fünf mal fünf Meter
nehmen und da die großen Kanister lagern, Gläser und so etwas bräuchte man nicht mehr, und jeder
wiegt sich seinen Bedarf ab.“

„Das ist ja eine tolle Idee!“

„Ja, aber es macht keiner! Sie sind alle im Dysstress, da können sie nicht ums Eck denken. Das
Einpacken von der Großhändlerlieferung in die Körbe für Kitas und kleine Unternehmen könnten
Schülerinnen, Migrantinnen, Menschen in der Umorientierung machen. Als Arbeitstherapie, als
gGmbh … Schüler, die Praxislernen brauchen, die nicht mehr acht Stunden beschult werden können.
Was meinst du, wie viele hier Bruchrechnung lernen und Prozentrechnung.“

„Ich möchte noch verstehen, wie es zu euren attraktiven Preisen kommt.“

„In der Selbstverwaltung hast du kein Einkommen. Die SuperCoop schafft es auch nicht. Sie sind im
dritten Fundraising.
Das Ziel war eigentlich, so viel wie möglich Menschen einzubinden, denn wenn jeder nur eine Stunde
macht oder einmal zwei bis drei Stunden die Woche, verteilt es sich auf viele und dann macht es
auch Spaß, weil es nicht über die Grenzen geht und das ist auch angemessen. Das ist aber
gescheitert, weil erstens jemand seinen Job nicht macht: sich um die Mitglieder zu kümmern, zu
gucken, dass die Richtigen reinkommen, Veranstaltungen zu organisieren. Ab nächste Woche fahren
wir die Öffnungszeiten runter und er soll die Zeit nehmen, um Menschen zu bespaßen und zu
gewinnen. Wir machen es solidarisch für die Kunden, die noch nicht können oder wollen.

Wenn ihr weiterhin preiswert einkaufen wollt, müsst ihr mitmachen. Es ist Selbstausbeutung für uns
alle, das muss enden, aber vor allem von denen, die das Konzept nicht verstanden haben. Wenn wir
dreißig bis vierzig Menschen sind, wird es spaßig. Stattdessen klammern sich alle an diesem
dämlichen Ladentisch fest und an dieser Kasse anstatt zu sagen: Was macht mir denn Spaß? Was
begeistert mich? Wem könnte ich denn mal erzählen, mit Begeisterung: Weißt du was? Da gibt’s so
einen verrückten Laden, da kannst du ganz preiswert einkaufen, und weißt du was? Der Gegenwert
ist nur, dass du ein oder zwei Stunden pro Woche im Laden zum Beispiel aufräumst, jemand anderem
davon erzählst. Das hat nie stattgefunden.

Ich habe den Newwork-Kurs für alle, die hier neu angeboarded sind, zur Verfügung gestellt. Rate mal,
wie viele ihn gemacht haben! Nicht einer! Er war Bestandteil der Mitgliedschaft. Aber einen
Zeitausgleich mussten sie geben. Es hat sich noch nicht einmal jemand dafür interessiert.

Ich möchte in eine neue Öffnung gehen. Erstens haftet ihr alle mit. Wer Miteigentümer ist, haftet in
Höhe der Einlage. Wenn ihr dann weiter gehen wollt. Haftet in dem Sinne, dass ihr gucken müsst:
Was braucht der Laden, damit er funktioniert? Was kann ich beitragen? Ihr müsst diese Frage stellen.
Viel wichtiger als Mitarbeit im Laden ist momentan, dass ihr Leuten von uns erzählt und dass ihr eure
Unternehmen mitbringt, dass wir sie bedienen können. Dann hast du eine Gegenfinanzierung. Dann
kannst du das Konzept aufstellen. Das nächste ist eigentlich: Wir gehen erstmal übers Essen in die
Unternehmen und lernen ihre Probleme kennen. Das nächste ist die Kiez-Arge und das ist eigentlich
Smart Kiez. https://youtu.be/T6tQexb2B44

Sie kommt aus der Zivilbürgerschaft. Da habe ich auch geforscht zu mit einem Professor von einer
internationalen Hochschule. Dies nimmt das, was wir im Coworking schon kennen schafft im Kiez
einen oder mehrere Arbeitsplätze und zwar für Dinge, die es in großen Unternehmen gibt, ob die
sinnvoll sind, steht auf einem anderen Papier, nämlich Onboarding, Offboarding, Arbeitsplatz,
Bildungsmanagement, Fördermittelmanagement. Aber kein Unternehmen hier hat
Personalentwicklung, nicht mal wir, weil die Zeit nicht bleibt. Wenn du in kleinen Unternehmen bist,
ist es keine Stelle. Ich habe das 2018 einer Professorin erklärt, und die fand die Idee toll. Wir haben
keine Fördermittel bekommen, aber jetzt kriegen wir sie bestimmt. Wir schaffen die Bedarfe von
zehn bis zwanzig Unternehmen zusammen in den Bereichen Personalentwicklung,
Gesundheitsmanagement, Qualitätsmanagement, Digitalisierung – ohne Prozesse keine
Digitalisierung – Innovationsmanagement, CSR und Buchhaltung. Die bündeln wir. Dann sind es
Vollzeitarbeitsplätze, und zeitgleich schaffen wir Freiraum für Menschen, die sich in ihr
Kleinunternehmen nur mühsam schleppen. Ich beobachte dort oft eine Geringschätzung des eigenen
Lebens.“

Produkte

„Woher bekommt ihr denn euer tolles Gemüse und Obst?“

„Zum überwiegenden Teil von Terra. Leider haben wir im Biogroßhandel eine Monopolstruktur. Ich
kaufe persönlich ein online und unsere Auswahlkriterien sind saisonal, regional und bio. Fair können
wir noch nicht so gut nachprüfen. Deutsche Produkte ziehen wir vor, wenn es sie gibt. Man könnte
mit Schülern in Gartenanlagen gehen, wo so viel Obst und Gemüse rumliegt, und dieses
Gastronomen und Kitas zur Verfügung stellen. Das könnte man auch im Tauschmodus machen.“

Kunden

„Woher kommen deine Kunden?“

„Einige kommen von weiter her, z. B. vom Westend. Andere arbeiten hier und kommen dann hier
einkaufen. Die meisten wohnen im Kiez. Viele kennen uns immer noch nicht und denken, dass die
Vorgängerin von vor über sieben Jahr hier noch drin ist. Wir haben sehr viel Bildungsbürgertum,
Künstler, Akademiker, die Wert auf gesunde Ernährung legen. Wir haben aber auch sehr viele im
Bürgergeldbezug. Ich kenne von vielen die Probleme, vom Job bis zur Paarbeziehung.“

„Das liegt auch an der Offenheit hier im Laden, und am Duzen, das ist was ganz besonderes.“

„Wir kriegen oft gesagt, es wäre schön, wenn ihr bleibt. Uns würde helfen, wenn es weitergetragen
wird, wenn anderen davon erzählt wird, das wäre schon sehr sehr viel Unterstützung.“

Die geistige Welt

Ich frage Grit zum Abschluss unseres langen Gesprächs, ob sie noch etwas ihr Wichtiges mitteilen
möchte.

„Ich hadere ein bisschen damit, dass ich die Verantwortung trage. Mein Ego sagt: Immer muss ich.
Zu sagen: Nee, Gott hat dir diese Kraft und Vitalität und diese Energie gegeben, weil du es kannst und
weil es kein anderer kann. Da kommen mir fast die Tränen. Ich will aber nicht mehr … Ich will mal
Urlaub machen oder so. Vielleicht war ich deswegen sechsmal im letzten Jahr im Libanon, weil ich
wusste, dass es im nächsten Jahr nicht geht.
Es ist ein großer Verzicht, da muss ich für mich immer wieder gut gucken, dass ich gut angebunden
bin, also dass ich selber lebe, was ich sage.

Vor Kurzem war ich seit einem Jahr mal wieder im Wald und auf einmal knisterte es wieder in den
Zellen und rauschte durch sie, und du bist wieder da und spürst die geistige Welt. Ich habe den Raum
zuhause gereinigt und es blitzte vor meinem inneren Auge, dann habe ich noch weiter geistig gearbeitet.

Es anderen beizubringen nervt mich. Ich werde dann ungeduldig.

Hier im Laden läuft Tag und Nacht Raumreinigungsmusik oder Erzengelmusik, und die Leute, die
reinkommen, sagen: Hier gibt es aber schöne sphärische Musik!

Viele fragen mich: Warum schmeckt das Essen hier so gut?

Danke, geistige Welt!“

„Das bist du. Ja, auch die geistige Welt draußen, aber sie ist ja in dir, du bist das. Genau wie bei den
Planeten, sie sind draußen, du kannst sie mit einem Teleskop betrachten, klar, sie sind aber auch in
dir, wenn du so willst als Abdruck.“

„Das ist so schwer zu verstehen mit dem Verstand.“

Rudolf Steiner, die soziale Dreigliederung, Buch Wege in eine Gemeinwohl Gesellschaft

„Weißt du wer das mit den Planeten so schön beschrieben hat? Rudolf Steiner. Hast du dich mit dem
mal beschäftigt?“

„Mein Sohn war auf der Waldorfschule, aber leider nur ein Jahr. Er durfte dort nicht Fußball spielen.
Ja, ich habe mich mit einigem beschäftigt.“

„Steiner hat ja vor über hundert Jahren die soziale Dreigliederung gesehen. In dem Online-Kongress,
zu dessen Newsletter dein heutiges Interview veröffentlicht wird, geht es darum. Dazu gibt es ein
Buch, was ich lektoriert habe: Wege in eine Gemeinwohl Gesellschaft von Matthias Augsburg und
Alexander Droste geschrieben. Da ist übrigens ein Schiff drauf auf dem Cover, und du hast vorhin von
einem Kahn gesprochen. Sie beziehen sich auf Steiners Vision der sozialen Dreigliederung:
Wirtschaftsleben, Geistesleben und Rechtsleben, die in ihrem Bereich leben und nicht übergriffig in
die anderen Bereiche handeln. Es geht nicht um Profit, sondern man fragt: Was brauchst du?“

„In der Kooperation, im Austausch.“

„Und das hat ja sehr viel Ähnlichkeit mit dem, was du machst und mit der Idee von Christian Felber,
ist aber trotzdem anders.“

Grit denkt über die sieben letzten Jahre nach. Sie wurde manchmal angefeindet. Auch konnte sie ihre
Vorstellungen nicht einfach durchsetzen, was sie in der alleinigen Verantwortung jedoch könnte.
Manche Kollegen haben die Musik ausgemacht und gesagt „Du spinnst doch.“ Sie möchte als viel-
und hochbegabte Frau aus ihrer großen Kraft heraus wirken und immer wieder in diese Kraft hineinkommen.

Es geht nur gemeinsam!

 

Ulrike Stein

https://zukunftswerkstatt.events/der-gemeinwohl-bioladen-berlin-charlottenburg-stellt-sich-vor/